Apostel Harburg

Trainieren statt Probieren

habe ich etwa alle 2 Wochen die Sportart gewechselt.
Ich wollte immer gleich in einen Verein eintreten, und als meine Mutter alles organisiert hatte und ich Mitglied war, hatte ich keine Lust mehr
und wollte was anderes probieren.

Das war ärgerlich, weil es dann wieder Kündigungsfristen gab – am Ende befand meine Mutter, ich solle am besten einfach draußen im Park
mit meinen Freunden Fußball spielen.

Das habe ich dann auch gemacht.
Ich habe gespielt, ab und zu mal was Neues probiert, aber ganz bestimmt nichts trainiert.

Und so wurde ich der begnadete Fußballer, der heute hier vor Ihnen steht.



Warum trainiert man eigentlich?

Man trainiert, wenn man ein Ziel erreichen oder besser werden möchte.

Beim Sport ist das klar:
Wenn man nur ein bisschen Spaß haben will, braucht man nicht zu trainieren – wenn man gewinnen will, muss man das schon.

Bei Instrumenten ist es ähnlich, nur dass man da normalerweise auch selbst keinen Spaß hat, wenn man nicht wenigstens etwas übt.

Sprachen sind auch so ein schönes Thema:
In der Schule hatte ich englisch, aber mein einziges Ziel war ein einigermaßen gute Schulnote.
Die konnte ich ohne viel Üben erreichen – und jetzt kann ich nicht wirklich gut englisch.
Ich würde gerne richtige Gespräche z.B. mit meinen amerikanischen Kollegen führen können, aber ich kann nicht mal das Wort „Vorurteile“ auf Englisch aussprechen: Prejudices…



Wie ist das mit dem Trainieren?

Wenn man z.B. ein Instrument lernen will, nutzt man die Gegebenheiten:
Da ist ein Instrument z.B. eine Orgel, auf der ich spielen könnte.

Dann ist es von Vorteil, eine Begabung zu haben oder vielleicht sogar eine Gabe.

Und man sieht ein Ziel vor Augen:
Ich kann das Instrument spielen, und bin am Ende ein wichtiger Teil eines Gottesdienstes!

Dummerweise gibt es auf dem Trainingsweg manchmal echte Durststrecken:
Wenn man trotz allem Training einfach nicht weiter kommt.
Dann beginnt man, am Sinn des Ganzen zu zweifeln: Vielleicht ist meine Begabung doch nicht so groß.



Vielleicht hilft ja beten. --

Und hier habe ich eine interessante Erfahrung gemacht.
Als ich gebetet habe „Herr, lass mich besser englisch sprechen“, hatte das keine unmittelbare Wirkung.

Das hat mich verwundert, und meine Erkenntnis daraus war:
Beten alleine hilft nicht immer.
Manchmal muss ich auch was tun.



Wie ist das mit dem Glauben?

„Herr, lass mich mehr glauben…“ – reicht dieses Gebet?

Das bezweifle ich.

Im Johannes-Evangelium, c. 14, V. 12, sagt Jesus:
„Wahrlich, ich sage euch:
Wer an mich glaubt, der wird die Werke auch tun, die ich tue, und er wird noch größere als diese tun!“

Können Sie sich das vorstellen?
Größere Werke als Jesus tun – „Herr, lass mich mehr glauben…“

Was wäre, wenn wir unseren Glauben trainieren könnten?

Ich gehe davon aus, dass wir das können!

Die Voraussetzung dafür hat Gott geschaffen, die nötigen Gaben hat er uns geschenkt.
Was machen wir draus?

Carly Fiorina, die ehemalige Chefin eines der weltgrößten Konzerne (hp), hat mal gesagt:
„Was du bist, ist Gottes Geschenk an dich. Was du daraus machst, ist dein Geschenk an Gott!“



Wie trainieren wir also unseren Glauben?

„Der Glaube ist wie ein Muskel“,sagte ein Kollege, wenn du ihn nicht trainierst, hängt er schlaff und nutzlos herum.
Wenn du ihn aber trainierst, wird er stark und kräftig, du kannst ihn einsetzen, und er wird dich halten!

Tja.
Nur welcher Muskel ist der Glaube?

Sie kennen das Doppelgebot der Liebe – Es ist die Grundlage jeder Gemeindearbeit.
Ein Pharisäer fragte:
„Meister, was ist das höchste Gebot, das es gibt (also das wichtigste Ziel unseres Glaubens)?“

Jesus antwortete:
„Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen, mit ganzer Hingabe und mit ganzem Verstand.
Das ist das erste und wichtigste Gebot.

Ebenso wichtig ist aber das zweite:
Liebe deinen Mitmenschen wie dich selbst!“
(Matthäus 22, 36-39, Übers.: Hoffnung für alle)

Da haben wir den Muskel: Das Herz – du sollst lieben – von ganzem Herzen.

Und jetzt wird es interessant:
Wenn man diesen Muskel trainieren will, wenn er sich weiter entwickeln soll, dann muss man ihn irgendwie messen können.



Kann man die Größe des Herzens messen?

Und jetzt meine ich natürlich nicht nur das physische Herz, ich will ja keine medizinische Operation durchführen.

Bei den „5 G.s“, den fünf großen Schritten im Glauben, ist ein „G“: Geistliches Wachstum.

Darum geht es beim Training des Herzens.
Und so kann man geistliches Wachstum definieren:
Es ist eine wachsende Liebe zu Gott und anderen Menschen – und zwar egal, zu welchen Menschen: zu bekannten und zu mir unbekannten.

Es geht dabei um eine geistliche Haltung und um ein geistliches Verhalten.

Denn es scheint verblüffender Weise so zu sein, dass Gott alle Menschen liebt.
Er ist da ziemlich unersättlich.

Kann man nun die Größe des Herzens messen und geistliches Wachstum trainieren?
Gibt es da so eine Art göttlichen Trainingsplan?

Ein paar Kollegen haben sich damit ernsthaft beschäftigt.
Sie haben 11.000 Befragungen in sieben sehr unterschiedlichen Gemeinden durchgeführt.

Sie hatten einige Erwartungen und waren dann doch sehr erstaunt darüber, was am Ende dabei heraus kam.

Wir Pastoren hoffen ja immer:
Wenn wir viele Angebote in der Gemeinde machen, und Sie an vielen Aktivitäten teilnehmen, dann werden Sie auch im Glauben wachsen.

Ist aber leider nicht so.

Ein hohes Maß an Gemeindeaktivität führt nicht automatisch zu einem höheren Maß an Liebe zu Gott und den Menschen.

Es ist also noch kein Gütezeichen, wenn man ein aktive Gemeinde ist.
Das kann auch einfach nur bedeuten, dass man sich sehr intensiv um sich selbst dreht.

Bei der Untersuchung ist heraus gekommen, dass es vier geistliche Phasen gibt.

Alle Befragten aus den Gemeinden passten in eine dieser Phasen.



Die erste Phase heißt den Glauben entdecken.

Hierzu gehören die Neugierigen.
Sie glauben an Gott, aber sie haben noch keine Vorstellung davon, was Gott in ihrem Leben bedeuten kann.

An einigen Berührungspunkten stellen sie fest, dass Gott und der Glaube für sie wichtig sein können.
Aber sie beten eigentlich nur in besonderen Situationen, meist in Notlagen.

Sie haben manchmal sehr kritische Fragen und brauchen daher relativ offene Gottesdienste wie den Welcome.
Und sie brauchen Gelegenheiten, andere Neugierige und Christen kennen zu lernen.

Wenn es gut geht, und wenn sie auf ihre Fragen und ihre Neugier gute Antworten finden, dann steht am Ende dieser Phase eine Erkenntnis.
Nämlich diese:
Gott liebt mich!
Gott kann mir helfen, er kann mich retten!

Wenn diese „Phase – 1 – Christen“ noch nicht getauft sind, dann steht am Ende dieser Phase die Taufe, also der bewusste Schritt hinein in die Gemeinde.



Die zweite Phase heißt im Glauben wachsen.

Zu ihr gehören die Anfänger im Glauben.
Sie glauben an Jesus Christus und wollen unbedingt mehr über ihn wissen, sie wollen ihn wirklich kennen lernen und eine persönliche Beziehung zu ihm bekommen.

Sie machen daher oft alles mit, was in der Gemeinde so angeboten wird.

Menschen in dieser Phase geht es im Allgemeinen sehr gut, denn sie spüren richtig, wie ihr Glaube wächst.

Diese Menschen brauchen schnell sehr intensive Kontakte in der Gemeinde.
Sie brauchen die Gelegenheit, Teil einer Kleingruppe zu werden.
Sie müssen sozusagen verwurzelt werden, sonst gehen sie wieder.



Die dritte Phase

heißt eine enge Beziehung zu Christus.

Die Menschen fühlen sich Christus sehr nahe, sie leben mit ihm in ihrem Alltag.
Sie bitten ihn um Leitung und Führung in ihrem Leben.

Sie praktizieren viel stärker eigene geistliche Übungen – sie beten also häufiger, oft jeden Tag, und sie lesen in der Bibel, um in ihr Orientierung zu finden.

Mitarbeit in der Gemeinde ist für sie ein ganz wichtiger Ausdruck ihres Glaubens.
Sie brauchen also Gelegenheit zur Mitarbeit und sie wollen neue geistliche Übungen kennen lernen, die sie weiter bringen.

Ihre Liebe zu Gott oder zu Christus wächst – aber sie scheuen zurück vor völliger Hingabe. Das klingt für sie noch nicht wirklich gut.
Sie fürchten, etwas aufgeben zu müssen und einen Teil von sich zu verlieren.
Sie halten sich noch zurück.



Die vierte Phase

heißt Christus als Lebensmittelpunkt.

Wir nennen sie die Christus-Zentrierten (CC).
Diese Personen haben ihr Leben ganz Christus anvertraut.
Sie lieben Gott und die Menschen.
Das Gebet ist für sie die ständige Kommunikation mit Gott.
Sie sind Mentoren für andere, d.h. sie begleiten andere auf ihrem Glaubensweg. Sie wollen Gott und den Menschen dienen – das gehört zu ihrem Lebensstil.

Sie brauchen eine wirklich große Bandbreite an Möglichkeiten zur Mitarbeit und zum Dienst.

Dieser Übergang von Stufe 3 zu Stufe 4 ist absolut bedeutend.
Christen in Phase 3 fragen nach dem eigenen Programm, das Gott segnen soll.

Sie beten:
Gott hilf mir in dieser schwierigen Situation meines Lebens.
Hilf mir bei diesem Problem.
Heile meine Verletzungen.
Segne meine Ehe.

Es geht ihnen um ihr Leben, ihren Glauben, ihre Zukunft.

Ich bete oft so.
Ich bin oft in dieser Phase und bitte Gott, mich zu unterstützen.
Ich kann das gut nachvollziehen, auch die Sorgen, die man in dieser Phase hat.

Als Jesus im Garten Gethsemane betete, kurz vor der Kreuzigung, da betete er so:
„Vater, ist es möglich, so lasse diesen Kelch an mir vorübergehen.“ (Mt. 26, 39)

Jesus bat seinen Vater um Hilfe.
Er wollte nicht sterben.

Aber dann betete er weiter:
„Doch nicht wie ich will, sondern wie du es willst!“

Das ist der entscheidende Schritt hin zur vierten Phase.
Christen in Phase 4 fragen nach Gottes Plan.
Sie wissen, dass Gottes Plan viel besser ist als ihr eigener.
Sie haben ein Herz, das auf Gott hin ausgerichtet ist.
Sie sind nicht mehr Ich-Bezogen, sondern sie lieben ihre Mitmenschen – in allen Konsequenzen.

Diese vier Phasen wurden bei der genannten Studie entdeckt.
So haben sich die befragten Menschen beschrieben.
Und es wurde deutlich:
Geistliches Wachstum hängt davon ab, wie eng die Beziehung zu Christus ist.

Die geistliche Haltung wächst von Phase 1 zu Phase 4, also die Liebe zu Gott und den Menschen.

Und das geistliche Verhalten wächst genauso, also die Bereitschaft zu spenden, andere zum Glauben und für Gott zu begeistern, und in der Gemeinde mitzuarbeiten.

Wenn eine Gemeinde sich wirklich im Sinne Gottes entwickeln will, wenn sie ihren Auftrag voll und ganz erfüllen will, dann liegt der Schlüssel dazu bei den „Phase-4-Christen“.
Sie tragen die Gemeinde-Entwicklung.

Und noch eine Entdeckung gab es, und die hat mich am meisten gewundert:
Die Bedeutung der Gemeinde ist in den frühen Phasen des geistlichen Wachstums am größten.

In den Phasen 1+2 sind der Gottesdienstbesuch und die Teilnahme an Gruppen für die geistliche Entwicklung besonders wichtig.

In Phase 3 und besonders in Phase 4 ist die Gemeinde vor allem wichtig als der Ort, an dem ich dienen kann.
Diese Christen gestalten die Gemeinde, sie schaffen eine neue Gemeinschaft und sie tragen ihren Glauben nach außen – sie können einfach nicht anders.

Aber sie wachsen im Glauben nicht mehr durch die tollen Predigten, die sie hören, oder durch die schönen Lieder, die sie singen.
All das kann sie berühren, es ist schön und tut gut.

Aber das Wachstum geschieht durch persönliche geistliche Übungen.
M.a.W.: Es geschieht im direkten Dialog mit Gott.
Nur da.



Und das heißt:

Es gibt in dieser Phase nur eine Person, die für Ihr geistliches Wachstum verantwortlich ist:
Sie selbst!

Das ist wichtig.
Die Studie hat nämlich auch gezeigt:
Wer sich nicht selbst um sein geistliches Wachstum kümmert, wird unzufrieden.

Unzufriedenheit mit der Gemeinde ist daher am häufigsten bei Christen in der 4. Phase zu finden.

Sie ist dann zu finden, wenn aus irgendeinem Grunde die Intensität der persönlichen geistlichen Übungen nachlässt.

Vier Phasen der Glaubensentwicklung – Von jetzt an bis zu unserem Tod bleibt uns Zeit, eine wichtige Entscheidung zu treffen:
Zu welcher Gruppe will ich gehören?

Ich persönlich glaube.
dass Gott in unser Herz den Wunsch eingebaut hat, ihm immer näher zu kommen.

In jeder Religion, die mir bekannt ist, geht es letztlich darum, Gott näher zu kommen.
Das Besondere an unserem Glauben ist, dass Gott uns weit entgegen kommt.

Im Alten Testament, im Buch der Prediger, Kap. 3, V. 11, heißt es:
„Gott hat die Ewigkeit in unser Herz gelegt“.

In unserem Herz liegt der Geschmack der Ewigkeit.

Wir haben sozusagen ein tiefes inneres Verlangen in uns, die geistliche Leere unserer Seele zu füllen.

Die Evangelien sind voll von Geschichten, in denen Jesus die Herzen der Menschen erreichen will.
Wer hat all diese Geschichten miterlebt?
Klar, die Jünger.
Sie waren Jesu „Versuchskaninchen“.
Jesus tat alles, damit ihre Herzen wachsen.
Einmal sagt er:
„Versteht ihr es denn immer noch nicht? Habt ihr immer noch ein verhärtetes Herz in euch?“
(Markus 8, 17)



Das Ziel ist klar:

Wir sollen Gott lieben von ganzem Herzen genauso wie unsere Mitmenschen.

Aber am Ende haben Jesu Predigten nur bedingt geholfen.
Die Jünger mussten sich selbst entscheiden.

Also:
Von jetzt an bis zu unserem Tod bleibt uns Zeit, diese Entscheidung zu treffen:
Zu welcher Gruppe will ich gehören?

Wenn Sie in die vierte Gruppe gehören wollen, dann kommen Sie nicht drum herum:
Sie müssen selbst tätig werden.

Gruppe – 4 – Leute wachsen vor allem durch das persönliche Bibelstudium.



Sie lesen in der Bibel,

versuchen zu verstehen und fragen Gott, was er ihnen damit sagen will.



Sie beten,

sie organisieren sich selbst ihre „Stille Zeit“.
Das ist ein Teil ihres Alltags, der genauso eingeplant ist wie das Abendessen oder die Zeit beim Sport.
Sie nehmen sich Zeit, um auf Gott zu hören.



Sie bitten um Vergebung ihrer Schuld.

Denn sie wissen, dass sie ohne Gott nicht wirklich frei sein können.

Sie haben durchaus unterschiedliche Methoden, um geistlich zu wachsen.
Einige führen ein geistliches Tagebuch.
Ich z.B. muss immer alles aufschreiben, um es mir vor Augen zu führen.

Andere wachsen durch Gespräche und Diskussionen, weil sie da ihren Glauben immer neu und immer deutlicher formulieren müssen.

Sie dienen anderen, sie sind für einander da, sie laden andere ein und begleiten sie.
Sie werden für andere zu Mentoren im Glauben.

Und sie machen das alles, weil ihr Herz brennt.
In Phase 4 kann man nicht mehr anders.
Man ist infiziert.

Falls Sie in dieses Trainingsprogramm einsteigen wollen, habe ich eine kleine Hilfe für Sie:
einen Trainingsstein.
Sie können sich einen nehmen, wir geben sie gleich herum.
Stecken Sie ihn sich in die Tasche oder legen Sie ihn irgendwo hin, wo Sie ihn häufig sehen.

Er soll Sie an eine wichtige Erkenntnis erinnern:
Ich bin für mein geistliches Wachstum selbst verantwortlich!

Er soll Sie zu Ihrem nächsten Schritt ermutigen:
Was auch immer es ist, in welcher Phase Ihrer Glaubensentwicklung auch immer Sie sich befinden.

Wenn Sie sich fragen: Was ist mein nächster Schritt?, und wenn Sie keine gute Idee haben, dann suchen Sie sich Unterstützung.
Suchen Sie sich einen Mentor, der schon in Phase 4 ist.

Am Ende bleibt die alte Frage, etwas erweitert:
In welcher Phase stehe ich, und zu welcher Gruppe will ich gehören?

Weiter Denken!