0. Einleitung
Liebe Glaubende am Sonntag,
Schön, dass Ihr da seid!
Ich hoffe, dass es Euch gut geht und dass es Euch nach diesem GD auf jeden Fall noch ein Stückchen besser geht und dass ihr spürt, dass Euer Glaube und Eure Seele gestärkt wurden!
Denn heute - am Sonntag - sind wir unter anderem hier, um unseren Glauben zu feiern, zu fördern und zu leben – darum geht es heute in dieser Predigt am Pfingstsonntag – das Thema unserer Predigtreihe lautet „Glauben am Sonntag“.
Warum passt dieses Thema gerade zu Pfingsten?
Pfingsten ist ja das Fest des Heiligen Geistes.
Und eine der Hauptwirkungen des Heiligen Geistes ist es, dass er uns den Glauben schenkt. Ohne Gottes Geist kann kein Mensch glauben.
Wenn wir also unseren Glauben am Sonntag und im Alltag leben, dann ist das ein Geschenk des Gottes bzw. des Heiligen Geistes.
In der letzten Zeit haben wir uns ja immer wieder in den Gottesdiensten damit beschäftigt, wie wir unseren Glauben im Alltag leben können – in der Familie – in der Schule – am Arbeitsplatz oder im Freundes- und Bekanntenkreis.
Heute soll es einmal um den Glauben am Sonntag gehen
Ist der Sonntag für Dich eigentlich ein besonderer Tag?
Woran merkt man bei Dir dass Sonntag ist?
Wisst Ihr woran man in Eißendorf merkt, dass Sonntag ist?
Richtig: Die Apostel-Glocken läuten und der Pennymarkt hat zu! :-)
Und da habe ich schon meine Gliederung:
Zuerst möchte ich mit Euch darüber nachdenken, warum der Pennymarkt zu hat und dann werden wir uns näher mit den Glocken beschäftigen, die uns locken wollen – zum Gottesdienst.
1. Penny hat zu
der Sonntag in unserer Gesellschaft
Also zunächst mal ein Blick in unsere Gesellschaft:
Der Pennymarkt hat sonntags zu – warum eigentlich?
Weil es im Grundgesetz verankert ist, dass der Sonntag schützenswert ist.
Im GG Art. 140 heißt es „Der Sonntag und staatliche anerkannte Feiertage bleiben als Tage der Arbeitsruhe und der seelischen Erhebung geschützt.“
Laut Grundgesetz geht es also um die Arbeitsruhe und die seelische Erhebung am Sonntag.
1.1 Arbeitsruhe
Zunächst zur Arbeitsruhe:
Die meisten Arbeitnehmer müssen sonntags nicht arbeiten.
Aber der Sonntag wird immer mehr vom Arbeitsleben erobert:
Immer mehr Menschen leisten Sonntagsarbeit. Dabei geht es nicht nur um Dienstleistungen (Bahn, Krankenhäuser, Polizei und Feuerwehr), sondern oft auch darum, dass vorhandene Kapazitäten ausgenutzt werden sollen, z.B. im Druckgewerbe. Man will in Zeiten der Globalisierung mithalten.
Immer mehr Betriebe laufen am Sonntag durch.
Auch die Diskussion um Ladenöffnungszeiten am Sonntag ist immer wieder aktuell.
Obwohl mehr als zwei Drittel der Bevölkerung eine Ausweitung der Ladenöffnungszeiten am Sonntag ablehnen.
Die Arbeitsruhe am Sonntag ist ein gefährdetes Gut in unserer Gesellschaft.
1.2 Seelische Erhebung - wie sieht das aus?
Das zweite schützenswerte Gut ist das der „seelischen Erhebung“.
Was machen wir Deutsche am Sonntag denn zur seelischen Erhebung?
Am Sonntag hören die meisten Menschen die Kirchenglocken und drehen sich noch mal auf die andere Seite. Dann brunchen sie – mit Sonntagsbrötchen. Sie treiben Sport, Telefonieren, Lesen, gehen in die Natur, treffen sich mit Familie und Freunden und gucken Tatort – und manchmal kaufen sie noch schnell was an der Tanke.
Viele Menschen nehmen sich sonntags Zeit für andere – und wenn es gut läuft auch mal für sich selbst. Das wird oft vergessen!
Das Schöne am Sonntag ist ja:
Der Sonntag lässt uns Raum und fordert: nichts. Ein Tag der seelischen Erhebung.
Das ist sein Geheimnis und dadurch kann er eine echte Kraftquelle sein – zunächst einmal völlig unabhängig vom Glauben.
Ich finde es einen ganz schönen Ausdruck - die „seelische Erhebung“.
Aber wie ist das nun mit dem Glauben am Sonntag?
Was sagt denn die Kirche dazu?
1.3 Der Sonntag in der Kirche
Die Kirche in Deutschland macht seit einigen Jahren wieder Werbung für den Sonntag:
Ihr Slogan lautet: Ohne Sonntag gäbe es nur noch Werktage!
Deshalb setzen die Kirchen sich für den Schutz des Sonntags und die Pflege der Sonntagskultur ein.
Sie rufen die politisch Verantwortlichen auf, eine weitere Ausweitung der Sonntagsarbeit zu stoppen.
Der Sonntag ist längst nicht mehr der „Tag des Herrn“ – auch nicht für die fast 54 Millionen Kirchenmitglieder in Deutschland.
Dem entsprechend wird der Glaube nicht unbedingt am Sonntag gepflegt.
Das Gebot „Du sollst den Feiertag bzw. Sonntag heiligen.“ Ist bei einer Umfrage das unwichtigste Gebot der 10 Gebote gewesen.
Jedenfalls gehen nur max. 4% der Evangelischen Christen sonntags in den Gottedienst.
Die EKD hat es sich nun zum Ziel gesetzt, dies auf 10% zu steigern – „Wachsen gegen den Trend“
Aber in Apostel ist das natürlich ganz anders – oder? :-)
2. Der Sonntag in Apostel:
Wie sieht es in Apostel aus mit dem Glauben am Sonntag?
Ich weiß natürlich nicht, welche Rituale und Gewohnheiten Ihr für den Sonntag habt – wäre mal interessant sich auszutauschen. Vielleicht anhand des Weiter-denken Zettels für die Kleingruppen.
Aber fest steht:
Viele von Euch haben eine sehr volle Woche – das hören wir immer wieder von unseren Gottesdienstbesuchern und Mitarbeitern in Apostel.
Jemand sagte neulich: Der Sonntag ist für mich so eine Art „Puffertag“ – alles, was ich in der Woche nicht geschafft habe, mache ich am Sonntag.
Der wöchentliche Gottesdienstbesuch ist auch für viele Apostel keine Selbstverständlichkeit. Wir haben zwar relativ gut besuchte Gottesdienste. Aber wenn man bedenkt, dass wir 3.400 Gemeindemitgliederund 300 Ehrenamtliche haben, dann könnten unserer Gottesdienste eigentlich voller aussehen, denken wir in der Gemeindeleitung jedenfalls oft.
Viele kommen eher unregelmäßig zum Gottesdienst, obwohl oft die Erfahrung gemacht wird:
„Wenn ich mich dann aufgemacht habe, dann dachte ich hinterher meistens:
Toll dass ich hingegangen bin!“
Einige aus unserem Vorbereitungsteam kennen es von Klein auf, dass sie am Sonntag zum Gottesdienst gehen – das ist sicher eine große Hilfe.
Aber es ist schwer sich umzustellen, wenn man ganz andere Gewohnheiten hat.
Ich möchte Euch heute herausfordern bzw. einladen mal ein Experiment zu machen:
Was wäre, wenn der Gottesdienst der Fixpunkt in Deiner Woche wäre – die Priorität am Sonntagmorgen oder -abend? Wenn Ihr nicht nur zum Welcome oder zum AGD zum Gottesdienst gehen würdet, sondern jede Woche – egal, ob es nun Euer „Lieblingsgottesdienst“ ist – einfach, weil Ihr Gott und anderen Leuten aus der Gemeinde begegnen wollt.
Meine eigene Erfahrung als Gemeindemitglied und Pastor ist, dass das mein Leben ordnet, ich fühle mich in der Gemeinde zuhause, weil ich die anderen Gottesdienstbesucher regelmäßig sehe und viele mir vertraut sind.
Außerdem habe ich regelmäßig Gelegenheit, Gott zu begegnen und neu im Glauben gestärkt zu werden.
Alleine könnte ich meinen Glauben gar nicht leben – er würde schnell verdorren.
Außerdem gibt mir das gemeinsame Singen sehr viel.
Der Cheftheologe der EKD, Prof. Eberhard Jüngel sagte neulich auf dem Kirchentag:
„Der Glaube ist in seiner Höchstform, wenn er singt!“ :-)
Ich habe die Hoffnung, dass das nicht nur Erfahrungen von mir sind, sondern, dass es tatsächlich uns allen gut täte, wenn der wöchentliche Gottesdienstbesuch die Regel wäre.
Angenommen, Ihr wollt dieses Experiment mal mitmachen - wie könnte das gehen?
Ganz einfach und klar: Wenn ich JA zum Gottesdienst am Sonntag sage, dann muss ich zu manchem anderen NEIN sagen und neue Prioritäten setzen. Jedenfalls wenn es sich überschneidet.
Das habe ich auch gerade den Konfis bei der KU-Anmeldung gesagt:
Die Konfertage und die Freizeiten müssen in dieser Konferzeit Priorität haben.
Zur Geburtstagsfeier kann ich auch nachkommen oder ich kann mich auch nach dem AGD noch verabreden oder entsprechend eher nach Hause fahren. Und zum Brunch kann ich auch noch nach dem Gottesdienst gehen.
Ich denke, wenn ich die Gottesdienste als feste Termine in meinem Terminkalender habe, dann werden sich die anderen schönen Termine auch noch einrichten lassen. Und Unwichtigeres wird eben wegfallen.
Vielleicht ist es sogar nötig, etwas weniger in der Gemeinde mitzuarbeiten, wenn ich sonst nicht mehr zum GD komme. Oder nur zum Gottesdienst gehe, wenn ich selber eine Aufgabe darin habe.
Vielleicht haben wir in Apostel manchmal auch zu viele Veranstaltungen.
Manchmal denke ich in Anlehnung an den Bestseller Ü Simplify your church!
Würde uns manchmal ganz gut tun. Vereinfache Dein Leben und Deine Gemeinde.
Denn im Zentrum sollen ja die Gottesdienste stehen – da sind wir uns in der Gemeinde einig!
Und ohne die geistliche Tankstelle des Gottesdienstes läuft der geistliche Motor irgendwann leer.
Gottesdienste sollen Tankstellen sein zur seelischen Erhebung oder fromm gesagt: zur „geistlichen Erbauung“.
Sicher: Eine Kleingruppe kann auch so eine Tankstelle sein, aber sie ersetzt meiner Meinung nicht den Gottesdienst der großen Gemeinde. Denn das Reich Gottes umfasst mehr als mein vertrauter Kreis in der Kleingruppe.
Zum Schluss möchte ich mir noch mal mit Euch ansehen, was die Bibel eigentlich zum Glauben am Sonntag zu sagen hat.
2. Ein Blick in die Bibel zum Glauben am Sonntag:
Ich habe es schon erwähnt: Der Sonntag geht auf das Sabbatgebot aus den 10 Geboten zurück: „Gedenke des Sabbattages, dass du ihn heiligest. Sechs Tage sollst du arbeiten und alle deine Werke beschicken. Aber am siebenten Tag ist der Sabbat des Herrn, deines Gottes, da sollst du kein Werk tun.
Denn in sechs Tagen hat der Herr Himmel und Erde gemacht und das Meer, und alles was darinnen ist. Aber am siebenten Tag ruhte er von allen seinen Werken. Darum segnete der Herr den Sabbattag und heiligte ihn.“
(Ex 20,8-10)
Der Feiertag wird also von der Schöpfungsgeschichte her begründet. Am 7. Tag da ruhte selbst Gott– und darum brauchen wir Menschen erst recht diesen Ruhetag!
Und weil Jesus am Sonntag von den Toten auferstanden ist, feiern die Christen den Sonntag als Tag des Herrn – als Ruhetag.
Denn auch Jesus sagte zu seinen Jüngern als sie von der Missionsarbeit wieder kamen: „Ruht ein wenig“.
Der Sonntag – soll also ein Ruhetag sein, sagt Gott.
Ein freier Tag sollte also kein Sozial-Stresstag sein!
Neulich sagte jemand in Apostel zu mir:
„Ich hatte ein anstrengendes freies Wochenende!“
Gott meint aber etwas anderes, wenn er sagt „Ruht ein wenig!“
Verschaffe Dir wirklich Ruhe. Dann schöpfst Du Kraft für den Alltag.
Komm zur Ruhe am Sonntag – auch jetzt hier im Gottesdienst!
Der Sonntag kann und will dazu dienen, unser Leben zu entschleunigen.
Ich bin überzeugt, dass es ist ein biblisches Prinzip bzw. ein schöpfungsgemäßer Rhythmus ist, dass auf Anspannung die Entspannung folgen soll! Auf die Werktage folgt der Sonntag!
Der Sonntag kann die große Auszeit der Woche sein.
Dann nimmt er der Zeit ihre Gleichförmigkeit.
Er ist dann ein Tag, wo wir Abstand nehmen und einen freien Kopf gewinnen.
Am Sonntag sollen wir Zeit haben für das, was alles, was sich ökonomisch nicht rechnet.
Aber, was mache ich denn, wenn ich zu viel zu tun habe, werden manche denken?
Auch das war schon ein Thema zur Zeit der Bibel.
In 2. Mose 34, 21 sagt Gott:
„Sechs Tage sollst du arbeiten: am siebenten Tag sollst du ruhen“, und jetzt kommt`s:
„auch in der Zeit des Pflügens und Erntens.“
Gerade bei viel Arbeit – z.B. in der Erntezeit - sollen wir ruhen, nicht nur in ruhigen Zeiten.
So hat es auch Luther gehalten:
„Heute habe ich viel zu tun – da werde ich mir besonders viel Zeit zum Gebet nehmen!“
Ich selber habe auch gute Erfahrungen damit gemacht - in der Examensvorbereitung im Studium!
Ich hätte eigentlich immer weiter lernen können – so viel Lernstoff war da.
Aber ich spürte wie mir der freie Tag in der Woche gut tat und ich diese Auszeit und den Gottesdienst-Besuch brauchte.
[Den Sonntag heiligen:]
Wir sollen am Sonntag also ruhen - aber das Gebot sagt noch etwas anderes:
Wir sollen den „Sonntag heiligen“ – wie kann das gehen?
Wie haben es denn die ersten Christen gehalten?
Schon in der Zeit der Apostel versammelten sich die Christen am Sonntag, um Gottesdienst zu feiern und "das Brot zu brechen" (Apg 20,7-12), So heiligten die ersten Christen den Sonntag – und wie kann das heute aussehen?
Den Sonntag zu heiligen bedeutet für mich, dass er zu Gott gehört.
An diesem Tag möchte ich mir deshalb Zeit für Gott nehmen.
Ich will mit Gott und anderen lieben Menschen Zeit verbringen.
Dadurch pflege ich die Beziehung zu Gott und auch zu den Gemeindemitgliedern. So können Beziehungen und Freundschaften wachsen.
Den Sonntag zu heiligen bedeutet für mich also, dass ich einerseits ruhe, aber auch Zeit habe für wichtige Beziehungen. Für die Familie, für Freunde, für mich selbst und eben auch für die Gemeinde und zu allererst für Gott.
Und ich glaube, dass der regelmäßige Gottesdienstbesuch wichtig ist, damit mein Glaube nicht erkaltet.
Das ist wie mit den Kohlen auf dem Grill:
Ein Stück Kohle allein erkaltet schnell, aber wenn wir sie auf einen Haufen legen, können sie sich wärmen und mit ein wenig Wind des Heiligen Geistes kann das Feuer neu entfacht werden.
Davon sind wir in Apostel überzeugt und darum stehen unsere Gottesdienste im Zentrum unseres Gemeindelebens.
Unsere Gottesdienste sollen inspirieren (also Gottes Geist Raum geben) und eindrückliche Gemeinschaftserlebnisse ermöglichen – mit Gott und anderen Menschen.
All das tun wir weil Jesus gesagt hat: „Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter Ihnen.“ (Mt 18,20)
Wenn ich das wirklich glaube, dann bietet der Gottesdienst eine unglaubliche Chance.
Dann diene ich nicht nur Gott, wenn ich den Gottesdienst besuche, sondern Gott dient mir!
So sagt es auch Jesus sinngemäß:
Der Sonntag ist um des Menschen willen gemacht, nicht der Mensch um des Sonntags willen.
ZIEL:
Ich fasse noch einmal zusammen:
Glauben am Sonntag heißt, den Sonntag zu heiligen.
Aber das bedeutet nicht, den ganzen Tag zu beten, sondern einen Tag der Ruhe und geistlichen Erbauung zu finden.
Jeder wird das SEINEN Weg mit GOTT am Sonntag finden müssen, aber der regelmäßige Besuch des Gottesdienstes, ist sicher eine ganz wichtige Basis.
Anwendung:
Was nimmst Du Dir also vor – nach diesem Gottesdienst?
Lässt Du Dich auf das kleine Experiment ein und besuchst im Juni mal jeden Sonntag einen Gottesdienst? Das Gute ist: Der Glaube am Sonntag wird da noch 2x Thema sein und wir können so gemeinsam diese Erfahrungen machen.
Und wer ohnehin jeden Sonntag zum Gottesdienst geht, kann sich ja mal fragen: Wie kann ich andere zum Gottesdienst einladen?
Wen könnte ich fragen: „Willst Du nicht mal mitkommen?“ zum Gottesdienst am Sonntag? „Mir tut das sehr gut!“
Oder Ihr verabredet Euch als Kleingruppe zum Gottesdienst – und hinterher vielleicht noch zum gemeinsamen Kochen oder Grillen – oder Kaffee trinken oder Ihr macht einen gemeinsamen Spaziergang. Oder besprecht Eure Erfahrungen einfach beim nächsten Kleingruppentreffen anhand des Weiter-Denken Zettels.
Auf jeden Fall wünsche ich Euch Gottes Segen und seinen Heiligen Geist für alle Versuche, den Glauben am Sonntag (und im Alltag) zu leben - Amen.
Lasst uns beten…