Apostel Harburg

Das älteste Evangelium: MARKUS

Die Gnade unseres auferstandenen Herrn Jesus Christus, die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit uns allen. Amen.



Predigt

Ich möchte Sie heute gerne in die Anfänge unseres Glaubens mit hinein nehmen, in die Geheimnisse des ältesten Evangeliums,
das wir haben: des Markus-Evangeliums.
Markus schreibt wie ein Berichterstatter: Klar, direkt und schnörkellos – weit gehend ohne Kommentare und Erklärungen.
Markus interpretiert wenig, er beschreibt einfach nur das, was er gehört hat.

Man kann hier also Jesus auf die Spur kommen, dem wie er wirklich war, was er wirklich sagte und was er wirklich tat.

Ich lade Sie ein, mitzukommen auf diese Spurensuche.
Das gibt uns die Möglichkeit, wirklich auf Jesus zu hören.

Denn das ist unsere Aufgabe, die wir als Christen, als seine Nachfolger, haben: immer wieder heraus zu kriegen, was Jesus wirklich sagt und meint.

Darum soll es heute gehen.
Markus.
Das älteste Evangelium.

Wir wissen nicht mit Sicherheit, wer dieses Evangelium geschrieben hat.
Es gibt keine Verfasserangabe, das war in der Bibel ziemlich egal.
Hier ging es um Jesus.

Trotzdem waren offenbar schon sehr früh viele Christen der Meinung, dass der Verfasser Markus hieß.
Aus der Mitte des 2. Jahrhunderts stammt die erste erhaltene schriftliche Notiz darüber.
Ein Gemeindeleiter namens Papias schreibt: „Markus schrieb als Dolmetscher des Petrus sorgfältig alles auf, was er im Gedächtnis behalten hatte“.

Markus war also kein Zeitzeuge, er kannte Jesus nicht.
Aber er hat viel Zeit mit Petrus verbracht.
Von ihm hat er alles über Jesus gehört und es dann „sorgfältig“ aufgeschrieben.

Weshalb hat er das gemacht?
Weshalb wurde er zum Verfasser des ältesten Evangeliums?

Als Jesus gestorben und auferstanden war, schrieben wir nach unserer heutigen Zeitrechnung vermutlich das Jahr 33.

Damals gab es noch keine Zeitungen, denn es gab noch nicht einmal Papier – und das machte die Kommunikation etwas schwieriger als heute.
Man schrieb auf Papyrus und Pergament.
Jedoch beides war sehr teuer.

Die ersten Christen aber waren arme Leute, sie schrieben daher nicht viel.

War auch nicht nötig, denn sie gingen davon aus, dass das Ende der Zeiten und damit das Ende der Welt relativ nahe bevor stand.

Jesus sagte doch: „Das Reich Gottes ist nahe herbei gekommen“.
Und er sagte: „Macht euch keine Sorgen, ich komme bald wieder, am Ende der Zeiten“.

Die ersten Christen rechneten mit seiner Wiederkunft innerhalb recht kurzer Zeit.

Um das Jahr 49 schrieb Paulus seinen ersten, uns erhaltenen Brief: Den ersten Brief an die Thessalonicher.
Darin ging er noch davon aus, dass er selbst die Wiederkunft des Herrn am Ende der Zeiten erleben würde – im Jahr 49, also 16 Jahre nach Kreuzigung und Auferstehung.

Wenn aber Jesus demnächst wieder kommt und die Welt dann zu Ende geht – warum sollte man dann seine Lebensgeschichte
für die Nachwelt aufschreiben?
Es gibt ja keine Nachwelt.
Und außerdem sind Papyrus und Pergament ziemlich teuer.

10 Jahre später, so um das Jahr 60 herum, hatte sich die Erkenntnis durchgesetzt, dass es möglicherweise noch etwas dauern könnte mit der Wiederkunft.
In den Psalmen heißt es: Bei Gott sind 1000 Jahre wie ein Tag – es kann sich also noch etwas ziehen.

Inzwischen hatte sich das Christentum ausgedehnt.
Paulus hatte Gemeinden in Griechenland gegründet, es gab Gemeinden in Rom und in vielen anderen Teilen der damals bekannten Welt.

Es gab also plötzlich das Bedürfnis nach verlässlichen Berichten über Jesus, sein Leben, seine Lehre und seine Taten.

So entstand das älteste Evangelium: MARKUS.
Von Papias wissen wir, dass Markus sein Wissen aus erster Hand hat, nämlich direkt von Petrus, von dem Jesus sagte:
Du bist der Fels, auf den ich meine Kirche bauen will.
Markus schreibt kurz und knapp.
Keine Interpretationen, keine netten Geschichten drum herum.
„Dies ist der Anfang des Evangeliums von Jesus Christus, dem Sohn Gottes“ – so lautet der erste Satz bei Markus.

Bei Markus gibt es keine Geburtsgeschichte, nichts über Bethlehem und irgendwelche Hirten auf dem Felde – das gibt es nur im Lukas-Evangelium.

Bei Markus tauchen auch keine Weisen aus dem Morgenland auf – die kommen nur bei Matthäus vorbei.

Mit solchen Dingen hält sich Markus nicht auf.
Er beginnt damit, dass Jesus von Johannes, dem Täufer, getauft wird.
„Da hörten sie eine Stimme vom Himmel: Du bist mein lieber Sohn, an dir habe ich Wohlgefallen!“ (1, 11)

Mit diesem einen Satz am Anfang des Evangeliums ist jedem Leser und Hörer klar, warum es geht: Jesus ist Gottes Sohn.
Was jetzt folgt, ist also Gottes Wort.

Mit anderen Worten:



Hört hin. Es wird jetzt lebenswichtig:

Danach folgt die erste Predigt von Jesus selbst.
Es ist Markus gelungen, sie in zwei Sätzen zusammen zu fassen – die Hauptbotschaft von Jesus in zwei Sätzen, gewissermaßen als Überschrift des ganzen Evangeliums.

Und so steht es geschrieben:
„Jesus sprach: Die Zeit ist erfüllt, und das Reich Gottes ist herbei gekommen. Tut Buße und glaubt an das Evangelium!“ (1, 15)

Das ist eine klare Ansage für alles, was folgt: Die Zeit ist erfüllt. Sie ist reif. Verpasst sie nicht.

Das Reich Gottes ist herbei gekommen.
Es ist da.
Es ist jetzt hier.
Verpasst nicht euren Platz im Reich Gottes.

Sondern:
Tut Buße!
Das bedeutet: Achtet genau auf euch selbst.
Wie lebt ihr?
Lebt ihr so, wie es zum Reich Gottes passt?
Da, wo ihr nicht so lebt: Ändert euch!
Kehrt um! Tut Buße.

Das Entscheidende dabei ist: Glaubt an das Evangelium!

Glaubt an das Evangelium bedeutet:
Vertraut auf das Evangelium.
Setzt euer ganzes Vertrauen auf Gott.
Wendet euch ganz und gar Gott zu.
Ohne Vorbehalte.

Dann wird euch die Zukunft gehören!
Dann wird euch nichts und niemand mehr irgendetwas anhaben können.
Dann wird euer Leben eine ganz neue Qualität gewinnen.

Verpasst es nicht.
Die Zeit ist erfüllt.
Jetzt habt ihr die größte Chance eures Lebens.

Zwei Sätze am Anfang des Markus-Evangeliums, die alles ausdrücken, was Markus sagen will.

Was bedeutet das für mich, oder für Sie, heute, hier in Apostel?
Das beschreibt er danach, in den folgenden Kapiteln.
Darum geht es im Markus-Evangelium.

Was bedeutet „Die Zeit ist erfüllt, und das Reich Gottes ist herbei gekommen. Tut Buße und glaubt an das Evangelium“ ?

Im ersten Kapitel und am Anfang des zweiten geht es um Heilungen.

„Das Reich Gottes ist herbei gekommen“ – das bedeutet zunächst, dass Menschen geheilt werden.

Und noch mehr: Menschen werden heil.

Sie werden geheilt von körperlichen Gebrechen – und das ist immer sehr faszinierend.
Aber sie werden vor allem innerlich heil – sie sind befreit, sie sind glücklich, sie blicken voller Zuversicht in die Zukunft.

Das bedeutet „Das Reich Gottes ist herbei gekommen“, und das bedeutet es für jeden Christen, der auf das Evangelium vertraut.

Markus führt das sehr konkret aus.
Er schreibt:
„Jesus lehrte mit Vollmacht“ (1, 22)
Jeder konnte spüren, dass Jesus den direkten Draht zum Vater und zum Heiligen Geist hatte.
Das merken alle.

Ein Mann wird von einem unreinen Geist umgetrieben.
Wenn ein Mensch von irgendetwas völlig besessen ist und umgetrieben wird, dann sagte man zur Zeit von Jesus:
Ein böser oder unreiner Geist hat ihn besetzt.
Heute würde man vielleicht sagen:
Eine Sucht hat ihn so im Griff, dass er nicht mehr frei entscheiden kann.
Also:
Ein Mann wird von einem unreinen Geist umgetrieben.
Selbst dieser Geist spürt die Vollmacht in Jesus.
Und der Geist sagt:
„Du bist gekommen, uns zu vernichten.
Ich weiß, wer du bist:
Der Heilige Gottes!“ (1, 24)

Und der Geist verlässt den Mann.

Das ist übrigens keine einfache Geschichte:
„Der Geist riss an dem Mann und er schrie laut um sich“ (1, 26)

Heilung ist nicht immer ganz einfach, aber sie ist mit Jesu Hilfe möglich.
Denn „Die Zeit ist erfüllt, und das Reich Gottes ist herbei gekommen.“
Es ist hier.

Markus hat noch mehr Beispiele:
„Jesus heilte die, die mit Gebrechen beladen waren“ (1, 34)

Spüren Sie die Symbolik dieser Begriffe?
Manchmal sind wir beladen, und diese Lasten liegen auf unseren Schultern.
Sie bedrücken uns, behindern uns und machen uns unfrei.

„Vertraut auf das Evangelium“, sagt Markus, legt all das voller Vertrauen in Gottes Hand – und wartet einfach mal ab, was passieren wird. Vertraut auf Gott.

Und ein Mann kam zu Jesus und sagte:
„Willst du, so kannst du mich reinigen.
Und Jesus rührte ihn an und sagte: Ich will“ (1, 40+41)

Als Jesus in Kapernaum war, schreibt Markus weiter, da lehrte er im Haus.
Und sie brachten einen Gelähmten zu ihm (seine Freunde trieben dafür allerlei Aufwand und ließen ihn letztlich durchs Dach zu Jesus hinunter). Was soll mit dem Gelähmten geschehen?

Jesus sagt seltsamer Weise zu ihm:
„Deine Sünden sind dir vergeben“ (2,5)
Und dann wendet er sich anderen Dingen zu.

Ich weiß nicht so genau, ob das wirklich der Herzenswunsch des Gelähmten war.
Ich könnte mir vorstellen, dass es ihm eher darum ging, wieder gehen zu können.

Aber Jesus hielt das, was er machte, offenbar für erheblich wichtiger:
„Deine Sünden sind dir vergeben“
Du bist gekommen, du vertraust mir und dem Evangelium – du bist reif für das Reich Gottes!
„Deine Sünden sind dir vergeben“.

Gott wird deine Lasten tragen, und du sollst voller Zuversicht in die Zukunft blicken.

Es gibt daraufhin Ärger mit den ebenfalls anwesenden Pharisäern, die meinen, dass Jesus gar nicht die Vollmacht habe, um Sünden zu vergeben.

Worauf Jesus sinngemäß antwortet:
Ach nein?
Meint ihr nicht?
Und dann sagt er zu dem Gelähmten:
„Dann sage ich dir: Steh auf, nimm dein Bett und geh nach Hause“ (2, 11)

Ich finde, in dieser Geschichte kommt richtig ein bisschen Humor durch.

„Jesus sagt: Die Zeit ist erfüllt, und das Reich Gottes ist herbei gekommen.“

Gott ist bei euch, und das bedeutet: Heilung.

Der Punkt ist:
Das passiert heute!
Heute ist das Reich Gottes nahe.
Jetzt ist die Zeit erfüllt, und wir haben die Chance, ganz nahe bei Gott zu sein.

Wir können ihm vertrauen und wirklich alles in seine Hände legen.

Heilung kann auch uns passieren. – Wovon müssen wir befreit werden?
Was sind unsere „bösen Geister“, die uns bedrängen?
Welche Sünden lähmen uns, so dass uns Jesu Zusage heilen kann:
Deine Sünden sind dir vergeben?

All das kann auch uns passieren.
Es ist Gegenwart.
Gott hat es uns versprochen!

Und das wird uns verändern.
Das wird alles verändern, und tut es auch bereits!!
Die ganze Atmosphäre wird anders, und die Menschen sagen:
„Wir haben so etwas noch nie gesehen“ (2, 12)

„Tut Buße und glaubt an das Evangelium!“

Markus beschreibt die Botschaft und das Verhalten Jesu ziemlich schnörkellos:
Klar, direkt, ohne Kompromisse.
Jesus will die Menschen und die Welt verändern.

Und Markus setzt noch einen drauf.
Im 2. Kapitel folgen lauter Berichte über völlig unerwartetes und vor allem unangepasstes Verhalten bei Jesus: Das haben die Leute nicht von ihm erwartet.
Verhält sich so ein Messias?
Der kann sich wohl nicht benehmen!
Die Erwartung der Menschen in den Synagogen Israels ist, dass der Messias kommt, um sie ins Reich Gottes zu führen.
Er kommt auch – aber zu den Randständigen, den Armen, den Kranken und den Zweifelnden.
Und er sagt dazu:
„Die Starken bedürfen keines Arztes, sondern die Kranken.
Ich bin gekommen, die Sünder zu rufen – und nicht die Gerechten“ (2, 17)

Damit hatten sie nicht gerechnet.
Und das ruft Widerstand hervor.

Die Gläubigen Menschen in Israel hatten immer klare Verhaltensregeln.
Es gab Gebote, Speise- und Fastenregeln, sowie klare Gottesdienstliturgien.
Jesus kümmerte sich nicht wirklich darum.
Er sagte: „Man füllt doch keinen neuen Wein in alte Schläuche“ (2, 22)
Er meint damit:
Jetzt beginnt etwas Neues.
Das Alte ist vergangen!

Damit hatten die Leute nicht gerechnet.
Und das rief Widerstand hervor.

Sie fragten ihn konkret:
Aber den Sabbat muss man doch nun wirklich ganz und gar heiligen – da darf man doch absolut gar nichts tun.
Und Jesus antwortete:
Ihr habt Recht.
Grundsätzlich.

Aber passt auf, dass ihr den Sinn des Gebotes im Blick behaltet. Denn „der Sabbat ist um des Menschen willen gemacht worden
und nicht der Mensch um des Sabbats willen!“ (2, 27)

Jetzt waren einige Leute doch sehr verwirrt und ungehalten.
Jesus hält sich nicht an die Regeln und Gesetze.
Er stellt einfach neue auf.
Bei ihm sind Glaube und Vertrauen wichtiger als die Lehre der Juristen.
So geht das aber nicht.

Im Folgenden, im 3. Kapitel, beschreibt Markus daher, dass Jesus einerseits immer mehr Anhänger fand und andererseits immer mehr Gegner.

Denn er bringt einfach die bestehenden Ordnungen durcheinander.
Und das tut man nicht.

Markus beschreibt in diesem Zusammenhang eine schöne, kleine Episode.
Jesu Familie ist jetzt nämlich beunruhigt – Maria, Josef und wer sonst noch so dazu gehörte.
Sie wollten keinen Ärger.

So steht es geschrieben:
„Und als es die Seinen hörten, machten sie sich auf und wollten ihn festhalten. Denn sie sagten: Er spinnt“ (3, 21)

Das ist eine meiner Lieblingsszenen im Markus-Evangelium.

Sie mündet in eine Diskussion darüber, wer eigentlich die wahren Verwandten Jesu sind.
Wer ist seine Familie, Wer gehört zu ihm?

„Jesus spricht:
Wer den Willen Gottes tut, der ist mein Bruder und meine Schwester und meine Mutter“ (3, 35)

Wer den Willen Gottes tut.
Nicht wer ihn sich anhört oder sich für fromm hält.



Tut es!

Und tut es ganz, nicht nur das, wozu ihr gerade Lust habt.

Gott hat sich was dabei gedacht.
Es geht ihm um Heilung.

„Jesus sprach: Die Zeit ist erfüllt, und das Reich Gottes ist herbei gekommen.
Tut Buße und glaubt an das Evangelium!“

Das ist die Botschaft des ältesten Evangeliums, das ist die Botschaft von Markus an uns.

Keine Kompromisse:
Du kannst nur entweder umkehren – oder weiter gehen.

Ich möchte mit Ihnen beten:

Lieber Vater im Himmel.
Du hast uns berufen als Mitglieder in deinem Reich Gottes.
Du hast uns berufen: Wir gehören zu dir.

Wir danken dir dafür, und wir wissen: Es ist eine große Ehre.

Wir bitten dich, dass wir uns deiner Gnade und deiner Berufung würdig erweisen.

Wir wollen umkehren und auf dein Wort wirklich vertrauen.

Bitte stärke uns auf diesem Weg.
Nimm und an der Hand.
Zeige uns, was du mit uns vor hast.
Befreie uns immer wider von den Lasten, die wir nicht ablegen können, weil uns die Kraft dazu fehlt.
Heile unsere Seelen und nimm uns mit in dein Reich Gottes.

Amen!